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Aquarell: Entscheidung fürs Lebenaus der Malwerkstatt entsteht ein Regenbogenwerk

„Sonnenstrahlen treffen Regentropfen
stilles Farbenfeuer berührt Herz und Seele
verbindet Himmel, Mensch und Erde“

…diese Worte fielen mir ein, als ich bei meinen Ponys auf dem Berg andächtig unter einem Regenbogen stand. Er schien zum Anfassen nah. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass die Worte ein Aquarell ebenso treffend beschreiben. Für beide gelten die gleichen Regeln: Wo extreme Kontraste sich zum Miteinander verbinden, berühren uns Leuchtkraft und Energie tief im Herzen…über das Bewusstsein simpler physikalischer Gegebenheiten hinaus, entsteht ein spiritueller Moment. Mit den Sinnen nehme ich die Verbundenheit der Elemente wahr. Ich erinnere mich an das „Zeichen der Bundes“ zwischen Gott, Mensch und Tier in der Bibel (*1) und spüre die unermessliche Lebenskraft, die aus der Verbindung der gegensätzlichen Kräfte zu resultieren scheint.
Wissenschaftler der Moderne haben in jeder Hinsicht die Funktionsweise der scheinbaren Wunder enträtselt und die Ereignisse in ihre Details zerlegt. In der Schule habe ich gelernt,  Regenbögen als Lichtbrechung von Sonnenstrahlen in Wassertropfen zu betrachten. Solides Fachwissen über die Reflexionsfähigkeit der Aquarellfarbe bei Lichteinfall fand ich in Professor Wolf Wrischs „Aquarellmalerei“(*2) und mein Lieblingsfarbenhersteller vereinfachte das Unterscheiden der Leuchtfähigkeit der Aquarellfarben mit entsprechender Kennzeichnung der Farbnäpfchen. Wie die kleinen Farbenwunder entstehen ist also mit allerhand Fakten belegt.
Die Magie des Augenblicks lässt mich allerdings alle Fakten vergessen. Für mich ist es mit Regenbögen und Aquarellbildern wie der Quantenphysiker Prof.Dr.Hans-Peter Dürr es im Gespräch über „das neue Bild der Erde“(*3) sinngemäß über ein Gedicht sagt: selbst, wenn ich ein Gedicht in alle seine Buchstaben zerlege und jeden einzelnen Buchstaben verstehe, verstehe ich den Sinn nicht. Ich verliere den Blick für das Ganze.

Das Beherrschen der handwerklichen Mittel und Kontraste versetzt mich zwar in die Lage, viele, völlig unterschiedliche Elemente miteinander zu komponieren. Aber richtig glücklich macht mich Malunterricht erst, wenn ich begeistert verfolgen darf, wie einem meiner Malschüler ein wunderbares Bild scheinbar spielerisch „passiert“ und wenn er plötzlich etwas vom Zusammenspiel der unterschiedlichen Kräfte der Wirklichkeit spürt. Fast unbeschreiblich ist für mich der Moment, wenn Atelierbesucher, die eigentlich Landschaftsaquarelle für ihre Wohnung suchen, sich in ein abstraktes Kunstwerk verlieben und es statt der Landschaftsbilder mit einem “davon geht soviel Kraft aus“ mitnehmen. Die Faszination spannender Bilder liegt also definitiv nicht unbedingt in der Richtigkeit oder Gekonntheit der einzelnen Elemente oder Techniken. Nahrung für die Seele wird Kunst durch die Schwingung, die aus den Kontrasten unterschiedlicher gestalterischer Mittel entsteht. 

Gefesselt hat mich vor einigen Jahren ein Essay  in der „Natur+Kosmos“(*4), das im besten Sinne des Wortes noch ein ganz anderes Licht auf diese Bild-Erfahrung wirft. Im Zusammenhang mit „der Flut der täglichen Nachrichten, die uns den Blick verstellen für das, was eigentlich passiert“ und uns wie „hypnotisiert auf die Schatten der Gegenwart“ blicken lassen, schreibt der internationale Netzwerker Dr.Geseko von Lüpke: „Dabei wird vergessen, dass Schatten sich ohne Licht gar nicht abzeichnen können“. Diese Aussage über das Dasein ist völlig identisch mit der Tatsache, die ich im Malunterricht immer wieder betone, ebenso wie der später folgende Satz „um die Dinge so (anders) zu sehen, muss man die Perspektive wechseln“. Plötzlich war mir klar, dass die Funktionsweise des Lebens die gleiche ist, wie der Schaffensprozess eines Bildes. Insbesondere Aquarelle mit ihren fast ausschließlich natürlichen Arbeitsmitteln entwickeln sich wie evolutionäre Prozesse. Initiiert durch einen Anstoß, laufen eine Vielfalt von Interaktionen zwischen Farbe, Wasser und Papier ab. Wenn der Künstler diese Prozesse anerkennt und nicht unterbindet, kann das Malmaterial seine vielfältige Wirkung erst optimal entfalten. Transparenz, Tiefe, Leuchtkraft und aquarelltypische Verläufe zeigt „Jahr des Klanges“ mithilfe von viel Wasser und vielen Schichten.

Schon Goethe war sich sicher, dass das ganze Leben im kleinsten Detail erkennbar ist. Das hieße für uns Aquarellmaler: In jedem Aquarell spiegelt sich ein Stück Leben. In Bildern wie in der Wirklichkeit „stoßen sich unterschiedliche Wahrheiten nicht ab, sondern sie können sich ergänzen“. sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Ökonom Manfred Max-Neef (*5) und dazu sinngemäß:  „Intuition, Spiritualität und Bewusstsein können mit wissenschaftlichen Ergebnissen“ kooperieren.

 Je mehr ich beim Aquarellieren in der Malwerkstatt über diese Möglichkeiten lerne, desto deutlicher entwickelt sich die Idee des Regenbogenwerks. Kürzlich beim Drucken meiner Vita stellte ich fest, dass ich 25 Jahre Erfahrung mit Menschen im Malunterricht gebraucht habe, bis diese Idee reif war. Nun ist die Zeit für die Übersetzung dieses Erfahrungsfeldes in den Lebensalltag. Ich bin keine Freundin von Fremdworten. Doch das gerade modern werdende Wort „Synergieeffekt“ zeigt mir deutlich den Bedarf, ausdrücken zu können, dass viele Menschen sich schon lange nach der Energie, die aus dem Miteinander unterschiedlicher, kompetenter Partner entsteht, sehnen. Steht die Malwerkstatt bisher für professionelle Ausbildung in verschiedenen Maltechniken, Stilbildung und Kreativitätstraining, so decke ich mit dem Regenbogenwerk den Bereich der Zusammenarbeit mit spannenden, kreativen Menschen aus anderen Arbeitsfeldern ab, denen es wichtig ist, Mitmenschen an ihrem Wissen oder Können teilhaben zu lassen.

Zusammen mit dem Klangkünstler Thomas Eberle entstand das Klangmalen. Er begleitet leidenschaftlich inspiriert vom Leuchten der Farbe life die kreativen „Bergischen Malnächte“ mit Open-End-Malen. „Circle of life“ entwickelte sich aus mehreren Nassschichten zu Klängen seiner tibetischen Klangschalen. Weder ich, noch Wasser und Farbe, können sich dem Urklang entziehen. Das Bild beginnt zu leuchten, als wollte es die Schwingung der Klangschalen im Auge des Betrachters fortsetzen. Gut erkennbar in „Gong Anfang und Ende“ konnte sich in Resonanz mit der mitreißenden Klangwelt des großen chinesischen Gongs die Kraft der Farbe und Form in mehreren Schichten entfalten.

Wie Musik berühren die Vorträge des Tiefenökologen Dr.Geseko von Lüpke die Seele. Seine Gespräche mit den Weisen unserer Zeit spiegeln sich in meinen Themenaquarellen, wie z.B. „Spiel des Herzens“. Im Rahmen von Aquarellen, die aus der Auseinandersetzung mit den Projekten der alternativen Nobelpreisträger entstanden sind, lässt er mich (skizzierenderweise) und viele Interessierte an seiner Recherche über positive Entwicklungen und Zusammenhänge auf der Erde teilhaben.

Auch um die Faszination des Miteinander dreht sich meine Idee vom Festival der Sinne. Es ist wie die Verbindung von Himmel und Erde, wenn sich einmal im Jahr im Bergischen Freilichtmuseum Lindlar bei Köln die ganze sinnliche Vielfalt von Künstlern, Visionären und Kunsthandwerkern versammelt, die das Thema Natur verbindet. So bunt wie der Regenbogen ist das Bild aus Theater, Musik, Tanz und Malerei mitten in ökologischen Naturgärten mit alten Bauernhäusern. Ein „Regenbogenwerk“ ist auch unsere kleine Netzwerkbroschüre. Der Aquarelltitel der gemeinsamen Visitenkarte für die regionalen Künstler, Handwerker und nachhaltigen Geschäfte zeigt den Zusammenklang der Kräfte.

 

Die Künstlerin
Christina Stoschus-Schumann, arbeitet seit 25 Jahren erfolgreich als Dozentin für künstlerische Techniken. Sie lebt mit ihrer erwachsenen Tochter, drei Ponys und ihrer Hündin im Bergischen Land. Nach dem Kunststudium in Köln, fördert sie junge Künstler als Galeristin in der Kölner Galerie am Buttermarkt, unterrichtet an Volkshochschulen, Bildungswerken und seit 1993 in ihrer eigenen Malwerkstatt.

 

Die Malwerkstatt
Schwerpunkt des Werkstattkonzepts ist naturnahes Malen mit Aquarellfarbe für Kinder- und Erwachsene. Grundstudium der Maltechniken, Kreativitäts-Workshops, und meditatives Aquarellieren fördern schöpferisches Potential und machen Lust auf Farbe im Leben.

Informationen über die Veranstaltungen von Malwerkstatt und Regenbogenwerk unter www.die-malwerkstatt.de
www.palette-verlag.de

Quellen
*1  Bibel, Altes Testament, Mose 9.17
*2  „Aquarellmalerei“  Wolf Wrisch  Seite 24
*3  Hans-Peter Dürr -Träger des alternativen Nobelpreises, des Friedensnobelpreises
und des Bundesverdienstkreuzes – in „Politik des Herzens“ (Geseko von Lüpke) Seite 30
*4  Natur+Kosmos www.natur.de
*5  Aufzeichnung eines Gesprächs mit dem alternativen Nobelpreisträger Manfred Max-Neef
in „Projekte der Hoffnung“ (Geseko von Lüpke, Peter Erlenwein) Seite 84